Schon fast eine ehrenamtliche Lebensleistung

Dieser Beitrag ist der offiziellen Website unseres Distrikts Westfalen Lippe entnommen.

Ein Projekt wider Vorurteilen. Nachhaltige Bildungschance für Nomadenkinder – Chance für ein besseres Leben.

Der emeritierte Professor der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster, Dr. Dr. hc Jörg Baetge, ist Mitglied im LC Münster Landois und lernte 2011 während seines Aufenthaltes an der Kenyatta Universität (KU) in Nairobi mit Hilfe seines damaligen Massai Guide die Lebensgewohnheiten der Nomaden kennen. Er erfuhr dabei, dass deren Kinder wegen der Lebensbedingungen ihrer Eltern keine Chance auf einen Hauptschulabschluss haben. Das reduziert natürlich die Chancen dieser Kinder auf einen festen Platz in der kenianischen Gesellschaft auf ein Minimum. Aus diesen persönlichen Eindrücken entstand das Projekt, in einer bereits bestehenden Schule – Ilkeek Area Primary School (IAPS), etwa 75 km von Nairobi entfernt – ein Internat für die Kinder der halbnomadischen Massai Stämme einzurichten. Unterstützt durch seinen Club und durch eine Vielzahl privater Spenden konnte der erste Bauabschnitt bis 2016 fertiggestellt werden.

Das Foto zeigt einen der noch weitgehend vorhandenen alten Klassenräume, für deren Erneuerung der Lions Club noch Geld sammelt.



Die Unterbringung von 115 Mädchen in der Internatssituation war damit sichergestellt. Der nächste Schritt, die Unterstützung des BMZ für die Erweiterung des Projekts zu gewinnen, war mit der Genehmigung der Mitfinanzierung Anfang 2017 erfolgreich. Seit Beginn 2017 stehen aus dem Ministerium nun die Mittel für den weiteren Ausbau des Internats an dieser Schule für weitere 345 Plätze zur Verfügung. Auflagen des BMZ zur Reduzierung der Probleme, die sich aus  der Kultur der Massai ergeben wie die Zwangsverheiratung von Kindern und die Genitalverstümmelung von Mädchen konnten mit Unterstützung der NGO „Horizont 3000“, in Nairobi, bereits angegangen werden. Auch erste Unterrichtungen in hygienischen Hilfen für die 115 Mädchen fanden im August und September 2017 statt.

Über zwei MoU`s (memorandum of understanding) wurden Kooperationen zwischen der WWU Münster und der Massai Mara University (MMU) sowie zwischen dem eigenen Lionsclub (LC)  in Münster, dem lokalen LC TCF, der IAPS und dem Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) der WWU zum Zweck des Lehrer Praktikanten Einsatzes über 2-4 Monate an der IAPS beschlossen.

In der deutschen Lions-Welt sind Projekte in der sog. Dritten Welt nicht unumstritten. Negative Erfahrungen stehen dafür durchaus Pate. Dennoch darf der Versuch, für viele Menschen in diesen Regionen die Lebensverhältnisse zu verbessern, nicht fallen gelassen werden. Lionsfreund Baetge steht zu folgenden Fragen Rede und Antwort.

Dr. hc Jörg Baetge mit einem erwachsenen Sohn des Schulgründers



Frage: Gab es im Rahmen Deines Engagements auch mal Zeiten, in denen Du an der Realisierung des Projekts Zweifel bekamst und wenn ja, welcher Art waren diese?

Antwort: “Ja, zu Beginn, als deutlich wurde, welch große Investitionssumme aufzubringen sein würde. Außerdem nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts und der Mitteilung des County Gouverneurs, dass der versprochene Wasseranschluss sehr lange nicht möglich sei. Aber wir konnten das Problem durch viele Fundraising Aktivitäten lösen“.

Frage: Nicht wenige Lions stehen Projekten in Ländern der Dritten Welt sehr skeptisch gegenüber, weil sie nicht nachhaltig sein würden oder weil die Mittel in die falschen Hände geraten. Bist Du überzeugt, dass das bei dem Projekt IAPS widerlegt wird?

Antwort: „Doch, ich bin überzeugt, wenn man ein solches Projekt über Jahre betreut – bei uns nun seit 2011 – dann lässt sich Nachhaltigkeit erarbeiten.“

Frage: Vor Ort ist der LC TCF über die Entfernung der Garant für die Realisierung des Projekts einschließlich der stringenten Rechnungslegung aller fließenden Gelder. Worauf beruht Dein Vertrauen, das Du in die Lionsfreunde vor Ort legst? War es leicht oder schwer, diesen Club von dem Projekt zu überzeugen?

Antwort: „Nein, der LC TCF hat unsere Anfrage auf Realisierung des Massai Internats vor Ort sofort positiv beantwortet. Der Clubpräsident, Kapil Deo Sharma, hat seine Clubfreunde motiviert und als Präsident von 2011 bis heute mit seinen Lionsfreunden realisiert und bleibt auch für die Dauer des Projekts bis 2019 der entscheidende Lenker des Projekts. Die Clubgemeinschaft hat sich bei uns sehr bedankt, dass wir sie in das Projekt aktiv eingebunden haben.“

Frage: Welche Teile des jetzigen Bauabschnitts sind Dir besonders wichtig und warum?

Antwort: „Die Wasser-, Strom- und Nahrungsmittelversorgung sind Grundvoraussetzung für Nachhaltigkeit des Internatsbetriebs. Wasser ist durch den Bau weiterer riesiger Regenwasser Sammeltanks, Strom durch Bau von ausreichender Solarpanel Kapazität und Nahrungsmittel sind durch Erlernen agrarischer Tätigkeit und Bewässerungsmöglichkeiten sowie den Bau von Gewächshäusern zu realisieren.“

Frage: Bist Du überzeugt, dass mit den begleitenden Maßnahmen die Defizite in der Massai Kultur reduziert werden können?

Antwort: „Ja, ich habe mit meinem Clubfreund Theo Herrmann den Stammeshäuptling, den Elternbeiratsvorsitzenden, den Schatzmeister des Elternvereins und die erste Frau des Häuptlings interviewt. Auf unsere Fragen nach Genitalverstümmelung der Mädchen und Zwangsverheiratung der Kinder wurde uns glaubhaft versichert, dass es diese Methoden bei den Elternfamilien nicht mehr geben soll. Als Ehrenhäuptlinge vertrauen wir unseren Massai Brüdern.“

Frage: Kann das Internatsbeispiel in der IAPS ggfs. als Prototyp für andere Schulen in Kenia angesehen werden?

Antwort: „Ich bin sogar sehr sicher, denn wir haben mit der Massai Mara University (MMU) ein MoU abgeschlossen. Die MMU will helfen, unsere Schule zu einer Modellschule zu machen. Da es in Kenia noch viele halbnomadische Stämme gibt, ist für die Kinder solcher Stämme ein Internat die Voraussetzung dafür, dass sie wenigstens einen Hauptschulabschluss erlangen können.“

Massai Internat

A school in Kenia sponsored by Lions Clubs and Friends

Massai-Kinder konnten die Tagesschule Ilkeek Aare Primary School (IAPS) nur für etwa drei Monate im Jahr besuchen. Denn als Halbnomaden mussten sie in der Trockenzeit zusammen mit ihren Eltern bis zu 30 Kilometer zurücklegen, um Futter für ihre Herden zu finden. Die Umwandlung der IAPS in ein Internat, erlaubt es den Kindern, in der Schule zu bleiben, wenn die Eltern weiterziehen. So können die Kinder ganzjährig im Internat lernen und die Abschlussprüfungen erfolgreich absolvieren.

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